Die Komödie – Vom Kino zum Theater

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Bielefeld ist nicht nur die Stadt, die angeblich nicht existiert, sondern auch ein Ort mit einer lebendigen Kulturszene. Ein Highlight ist die Komödie am Klosterplatz, die mit spritzigen Boulevardstücken, Musical-Inszenierungen und bekannten Schauspielern begeistert. Doch das Theater hat eine spannende Vorgeschichte: Es befindet sich in den Räumen des ehemaligen Astoria-Kinos, das viele Jahre ein beliebter Treffpunkt für Filmfans war und den älteren Bielefeldern sicher noch in Erinnerung ist. Und auch der angrenzende Klosterplatz hat eine bewegte Geschichte – mit Biergarten, Streitigkeiten mit Anwohnern und seit einigen Jahren einem charmanten Abendmarkt.

Es begann mit einem Kino

Bevor hier gelacht, gesungen und gespielt wurde, liefen in den Räumen der heutigen Komödie große Kinoklassiker. Das Astoria-Kino war eine Institution in Bielefeld, die in den 1950er-Jahren eröffnete und über Jahrzehnte hinweg Filmfreunde begeisterte. Doch mit der zunehmenden Konkurrenz durch Multiplex-Kinos und Streaming-Dienste wurde es für traditionelle Lichtspielhäuser schwieriger – und so fiel schließlich auch für das Astoria der letzte Vorhang. Statt das Gebäude zu ersetzen, wurde es kulturell wiederbelebt: 2013 entstand hier die Komödie am Klosterplatz, ein Theater mit Schwerpunkt auf humorvolle Unterhaltung. Im März 2023 musste die Komödie schließen, da der bisherige Geschäftsführer aus altersbedingten und gesundheitlichen Gründen den Betrieb nicht fortführen konnte.

Ein Theater, das für gute Laune sorgt

Zum Glück haben sich mit René Heinersdoff und Bernd Gnann schnell zwei neue Betreiber gefunden, und somit hat sich seit Herbst 2023 die Komödie wieder fest in der Bielefelder Kulturszene etabliert. Das Erfolgsgeheimnis? Eine Mischung aus witzigen Inszenierungen und musikalischen Highlights. Da beide neben Theater- auch über Fernseherfahrung verfügen, hilft ihnen ihr Netzwerk dabei, prominente Schauspieler in die ostwestfälische Provinz zu locken. Aktuell war der Stuttgarter Tatortkommissar Richy Müller als Rain Man auf der Bühne zu bewundern. Das Theater verfügt über 2 Säle mit Kapazitäten von 270 und 180 Sitzplätzen. Soundmäßig sind die nebeneinander liegenden Säle gut abgeschirmt, so dass es in den meisten Fällen keine akustischen Beeinträchtigungen gibt. Abgerundet wird das Theatererlebnis durch den gemütlichen Barbereich, wo einem mit etwas Glück auch der ein oder andere Fernsehstar über den Weg laufen kann. Da die beiden Theaterleiter aufgrund anderer Projekte nicht immer vor Ort sein können, wird der laufende Betrieb von ihrer rechten Hand –Theaterleiterin Simone Weiß – organisiert. Sie führt den für sie gefühlten 24/7 Job mit viel Leidenschaft und Engagement aus und das überträgt sich auch auf die gesamte Atmosphäre und die Zuschauer.

Der Klosterplatz – vom Zentrum des Nachtlebens zum stillen Eckchen

Der Standort des Theaters ist ebenso interessant wie seine Geschichte. Der Klosterplatz ist heute einer der schönsten Plätze Bielefelds – mit Cafés, Restaurants und einem gemütlichen Flair. Doch in den 1990er-Jahren war er vor allem als Biergarten bekannt. Hier konnte man laue Sommerabende genießen, Bier trinken und den Tag ausklingen lassen. Doch leider hatte diese idyllische Szene einen mächtigen Gegner: die Anwohner. Ihnen war der gesellige Trubel offensichtlich zu viel des Guten – und so wurde der Biergarten nach und nach verkleinert, reglementiert und ist schließlich ganz aus der Stadt verschwunden. Doch es waren nicht nur die Anwohner, die dem bunten Treiben ein Ende setzten, sondern auch die Stadt Bielefeld selbst. Noch in den frühen 2000ern war der Klosterplatz das Herz des Bielefelder Nachtlebens – mit Bars, Clubs und geselligem Treiben. Doch dann beschloss die Stadt, das Vergnügungsviertel konsequent an den neu entwickelten Boulevard am Hauptbahnhof zu verlegen. Clubs und Szenebars folgten dem Ruf der Stadt und zogen um – und mit ihnen verschwand das lebendige Treiben. Zurück blieb ein Platz, der zwar architektonisch schön, aber in den Abendstunden oft erschreckend leer ist. Heute kämpfen wieder einige Gastronomen um das Fortbestehen der einstigen Partymeile.

Das große Comeback: der Abendmarkt am Donnerstag

Aber es gibt auch gute Nachrichten: Seit einigen Jahren erlebt der Klosterplatz wieder ein bisschen Leben – und zwar durch den Abendmarkt am Donnerstag. Hier kann man sich nach Feierabend frische regionale Produkte kaufen, ein Glas Wein trinken, von ansässigen Gastronomen verwöhnen lassen und das Flair des Platzes genießen – inklusive musikalischer Untermalung. Angeblich wurde bisher noch kein Anwohner gesichtet, der sich über die Geräusche von klirrenden Weingläsern beschwert – aber man weiß ja nie. Jedenfalls soll er auch in 2025 vom 10.07. bis 28.08.2025 donnerstags zu einer anwohnerfreundlichen Uhrzeit von 17:00-21:30 Uhr stattfinden.

Fazit: Theater, Geschichte und ein Platz, der viel erlebt hat

Die Komödie am Klosterplatz steht für beste Unterhaltung, das ehemalige Astoria-Kino für nostalgische Erinnerungen und der Klosterplatz selbst für eine bewegte Vergangenheit zwischen Biergarten-Romantik und Anwohner-Drama. Wer in Bielefeld Kultur erleben will, sollte sich nicht nur eine Vorstellung in der Komödie ansehen, sondern auch den Platz drumherum genießen – am besten mit einem Drink auf dem Abendmarkt.

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